Ich entschied mich plötzlich, den Spaziergang auf der Siegesstrasse zu unterbrechen und in den Hof vom Cantacuzino Palais einzugehen. Das Tor war offen und eine unbekannte Machte drängte mich zum Gebäude. Ich sah die zwei Löwen beim Eingang, die das Gebäude bewachen und stieg in das erste Zimmer ein. Irgendwo, vor mir rief mich die, „rumänische Rhapsodie” in ihre Welt, in die Welt von George Enescu.

Die vibrierende Musik begleitete mich in alle Zimmer, die dem Publikum vom Cantacuzino Palais offen sind. Es war eine einzigartige Erfahrung und ich hatte immer das Gefühl, dass Enescu von einem anderen Zimmer kommen soll.
Ich fühlte seine Anwesenheit unter seinen persönlichen Gegenständen und ich erwartete, ihn vor mir zu sehen, mit seinem vollkommen geschnitteten Frack und mit den weissen Handschuhen, die seine Hände deckten.

Im Cantacuzino Palais befindet sich das Nationalmuseum „George Enescu” und hinter dem Gebäude gibt es auch das Denkmalhaus des Musikers. Vorläufig hat man Zugang nur zu den Zimmern, in denen die persönlichen Gegenständen des grossen Musikers ausgestellt wurden und das Denkmalhaus ist zur Zeit im Laufe der Restauration.

Auch unter diesen Umständen, ist diese Erfahrung, Abschnitte des Lebens von Enescu zu sehen, einzigartig und man hat die Möglichkeit, diese ausserordentliche Persönlichkeit ausserhalb der Musik zu entdecken.
Obwohl das imponierende Gebäude auf der Siegesstrasse den Cantacuzinen gehörte, ist der Abdruck von Enescu viel stärker als der Abdruck einer anderen Aristokratenfamilie. In den Mauern vom Palais fühlt man die Energie von George Enescu.
George Enescu wartet, entdeckt zu werden

Als ich die Ausstellungsstücke vom Museum bewunderte, hatte ich die Chance, die Anwesenheit von Mariana Petrescu auszunutzen. Sie ist die Leiterin der Kommunikationsabteilung der Institution. Wegen ihrer Leidenschaft, wodurch sie ein paar wichtige Ereignisse des Lebens des Komponisten schilderte, wollte ich mehr erfahren. So dass ich mir vornahm, dass dieses Dokument nicht das einzige über den grossen Komponisten sein wird.
Zur Zeit, wenn die junge Generation leidet, weil sie keine Vorbilder haben, worauf sie sich beziehen sollen, kann Enescu ein solches Vorbild sein.

George Enescu war nicht nur ein Geniekomponist und -Musiker, sondern er war ein ausserordentlicher Mensch, der uns ausgezeichnete Lebenslektionen geben kann.
Aber kommen wir zum Museum zurück, wo ich feststellte, dass viele Touristen kommen. Manche sind aus Rumänien, aus anderen Städten, aber die meisten sind Ausländer. Obwohl mein Besuch an einem Donnerstag stattfand, kamen die Besucher immer. Man ist so glücklich, wenn man die Touristen aus Italien sieht, die Enescu entdecken möchten oder die Frauen aus Deutschland, die dasselbe tun oder die Jugendlichen aus Grossbritanien, die von Rumänien hörten, weil sie die Musik von George Enescu lieben.
Ich schalge Ihnen vor, dass wir George Enescu zusammen entdecken. Heute machen wir das mit Hilfe der Gegenstände, die ihm gehörten, die Vieles über seine Persönlichkeit sagen und Sie bewundern können, wenn Sie das Nationalmuseum „George Enescu” besuchen.

Diese Darstellung zielt nicht darauf, eine Rangfolge festzusetzen, sondern es geht einfach darum, die wertvollen Gegenstände von Enescu in Vordergrund zu bringen. Sowohl Mariana Petrescu, als auch der Museograf Silvia Costin unterstützten mich in meiner Aufgabe, die Gegenstände aus dem Museum zu wählen.
Durch die Vorstellung dieser Gegenstände möchte ich Sie überzeugen, zum Museum zu gehen und so werden Sie auch die Möglichkeit haben, andere Exponate zu wählen, worüber Sie Ihren Freunden sprechen können.
Die Gegenstände, die den Abdruck des grossen Komponisten haben

Ich beginne meine Vorstellung mit dem Schreibtisch und mit dem Stuhl, die dem Künstler gehörten und nach Bukarest aus seiner letzten Wohnung von Paris gebracht wurden. Der Schreibtisch zeichnet sich durch die berühmte Unterschrift aus, denn es wurde in der Werkstätte Emile Galle ausgeführt. Die Arbeit des Meisters, der durch seinen Stil mit starken Naturalismusakzenten weltweit berühmt ist, widerspiegelt sich ausserordentlich beim Schreibtisch von Enescu. Das Holz wird mit den Blumenmotiven verziert, es scheint, dass die Blumen eine besondere Stimmung verleihen.
Der Stuhl wurde am Ende des XIX. Jahrhunderts in Frankreich ausgeführt. Diese Gegenstände führen uns in die Intimität des grossen Komponisten und bieten uns ein Bild über seine Arbeitsumgebung an.

Auf dem Tisch können die Besucher die Partitur in Facsimil der Oper „Oedipe” bewundern, woran George Enescu über zehn Jahre lang arbeitete. Das Exponat ist ganz besonders, denn es ist eine Kopie nach der Originalausfertigung.
Es gibt mehrere Geschichten im Zusammenhang mit dieser Partitur. Manche verweisen auf die Tatsache, dass der Künstler sein Werk immer in einer armen Ledertasche mithaben wird, denn er hatte Angst, es zu verlieren.
„Oedipe” hatte die Erstaufführung im Monat März 1936, in Paris, auf der Garnier Bühne und als der Komponist es beendete, widmete er es der „Prinzessin seines Herzens”- Maria Rosetti-Tescanu, die wir heute auch als Maruca Cantacuzino kennen. Es geht um die grosse Liebe des Künstlers, die auch seine Frau gegen Ende seines Lebens war.

Wir werden jetzt über ein anderes besonderes Exponat sprechen. Es handelt sich um den Frack des Meisters. Es ist der Anzug, den George Enescu mehrmals trug. Die Schönheit und die Eleganz vom Frack sind der Beweis eines Lebens, das der Bühne und der Musik gewidmet wurde. Das Kleidungsstück bringt uns vor den Augen den vollständigen Musiker, der sich vor dem Publikum nicht anders vorstellen wollte. Im Museum ist der Frack ein besonderes Stück, denn es gehörte dem Meister und es stellt ihn genauso imponierend wie er war, vor.
Auf dem Kragen kann der Besucher die Rosette der Ehrenlegion sehen. Der französische Staat gab George Enescu im Monat März 1936, anlässlich der Erstaufführung von „Oedipe” diese Auszeichnung. Der Frack gehört zur Spende von Maruca Cantacuzino an das Museum.
Neben dem Anzug, trug er immer ein paar schneeweisse Handschuhe. So wie man weiss, versicherte Enescu seine Hände niemals, so wie die internationalen Geiger heute tun. Trotzdem schützte er seine Hände, ungeachtet der Jahreszeit, mit Hilfe der Handschuhe.

Sehr nah dem Platz, wo der Frack ausgestellt wird, befindet sich der Akademikeranzug des Komponisten. Wenn man sich diesen Gegenstand ansieht, stellt man sich Enescu als bedeutende Persönlichkeit der rumänischen Kultur vor, der sich sehr anstrengte, um einwandfrei vor den Zuschauern zu sein.
Der Museograf, der mein Gastgeber ist, hielt vor einem Gegenstand an, den George Enescu als Geschenk im Monat April 1946 von dem philarmonischen Orchester von Moskau erhielt. Es geht um eine Kanne aus Silber und Kristall, einen Schatzgegenstand, der in den russischen Werkstätten hergestellt wurde. Im Jahre 1946 hatte der Komponist eine erfolgreiche Tournee in den sowjetischen Ländern und die Kanne, die ihm geschenkt wurde, zeigt uns, dass es Enescu gelang, sich in allen Umgebungen auszuzeichnen.

Durch dieses Ereignis hatte er die Möglichkeiten, grosse Musikpersönlichkeiten zu treffen, aber es führte gleichzeitig zu zahlreichen Auseinandersetzungen in der Öffentlichkeit. Der Besuch des grossen rumänischen Komponisten in Moskau wurde so dargestellt, dass der Künstler tief enttäuscht wurde. Er fuhr in die sowjetischen Länder nur für die Musik und sein Besuch hatte keine politische Konnotation. Der Beweis, dass Enescu seinen Grundsätzen treu war, ist gerade seine Entscheidung, in demselben Jahr, das Exil zu wählen und ins Land niemals zurückzukommen.
Um eine der sehr wichtigen Personen vom Leben des Meisters Enescu zu entdecken, werden wir in einen anderen Raum des Gebäudes gehen, wo auf einer der Wände das Bildnis von Elena Bibescu ausgestellt wird. Das Bild hat die Unterschrift des Malers Henri Martin und stellt uns die Fürstin Bibescu genauso wie sie gegen Ende ihres Lebens war, als die Krankheit ihren Körper quälte.

Die „Vize-Mutter”, wie Enescu Elena Bibescu nannte, spielte eine wichtige Rolle in der Karriere des Komponisten, denn sie war diejenige, die dem Künstler den Zugang in das kulturelle Leben von Paris erleichterte.
Unsere Reise endet vor der Statue von Enescu, einer ausserordentlichen Arbeit, die von Gheorghe Anghel ausgeführt wurde. Es ist ein erfolgreiches Bildnis, das der Musiker im reifen Alter darstellt. Wenn man sich sein Gesicht ansieht, hat man den Eindruck, dass er zum Pult kommen und das Orchester dirigieren wird.
Das ist nur ein kleiner Abschnitt der Welt von Enescu, wozu ich Sie auch einlade, damit Sie auch andere Geschichten des Lebens dieses Komponisten entdecken können.


