Die bewegte Geschichte einer Stadt, erzählt von Bărăția, die Kirchgemeinde, die im Laufe der Jahrhunderte starb und wiederaufstand

Je weiter ich gehe, Bukarest zu entdecken, finde ich eine faszinierende Welt, die ich bisher unwillkürlich ignorierte. Es ist die bewegte Geschichte einer Stadt, die aufrichtig vor den Menschen offenbart wird, die sich wünschen, Bukarest zu sehen, so wie diese Stadt tatsächlich ist: eine Stadt mit einer beeindruckenden Vergangenheit, die sich vor den anderen Metropolen nicht zu schämen braucht, die Vieles zu vermitteln hat.

Von den vielen Bodendenkmälern von Bukarest wählte ich heute einen Platz, der mit der Geschichte des Katholizismus verbunden ist, zu besuchen. Ohne religiöse Konnotation haben wir nur die Absicht, in Vordergrund einen Platz zu bringen, der zu den Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt Rumäniens gehört und zur Reise der Touristen gehören kann, die den historischen Teil von Bukarest entdecken wollen.

Der Tourist unter den Bodendenkmälern hält diesmal bei der Kirche Bărăția an, der ältesten katholischen Kirchgemeinde von Bukarest.

Die jahrhundertelange Geschichte der Kirchgemeinde

Die Kirchgemeinde Sancta Maria Gratiarum befindet sich in der Innenstadt, auf dem Boulevard I.C. Brătianu und es ist unter den Bukarestern als die Kirche Bărăția bekannt. Man sieht sie, wenn man ins Nationaltheater geht. Wegen der schneeweissen Farbe möchte man anhalten und die Geschichte von diesem Ort erfahren. Der Glockenturm der Kirche bewacht von seiner Höhe die Stadt, die sein Haus ist.

Die Menschen suchen ihren seelische Frieden in der Kirche.

Es ist ein beeindruckender Ort, mit einer jahrhundertelangen Geschichte einer Kultstätte, die alle Tragödien der Hauptstadt Rumäniens erlebte.

Die Kirchgemeinde Bărăția hat ihre Herkunft irgendwann in der Vergangenheit, als sie im Jahre 1629 gegründet wurde. Es war die erste Kirche der Katholiken von diesem Teil des Landes.

Wegen dieser wichtigen historischen Bedeutung will man unbedingt die Geschichte von diesem Ort entdecken. Das machten wir auch. Begleitet von meiner Kollegin, gingen wir an einem Donnerstag zur Kirchgemeinde (die Kirche oder das Kloster, ein spezifischer Name für die katholischen Kultstätten im Osten und Süden der Karpaten). Wir gingen in einen Hof ein, wo ein paar Arbeiter an den Bauten arbeiteten.

Die Kirchgemeinde Bărăția wurde vor vier Jahrhunderten gegründet.

Das Kirchentor war offen, so dass wir einige Treppen stiegen und in die Kultstätte traten. Die Sonnenstrahle machten sich Platz durch die beeindruckenden Buntgläser an den Kirchenfenstern.

Später sollte ich erfahren, dass die Buntgläser der Kirchgemeinde in einer Fachwerkstätte von Bukarest ausgeführt wurden und auf zwei davon wurde der Name des Ausführers aufgeschrieben: M.Zigeler, Strasse Schitu Măgureanu 23. Leider gibt es kein Datum, das uns die Zeitspanne bestätigen soll, als diese Buntgläser erschienen.

Die Buntgläser sind in 4 Paare unterteilt, welche die Kirchenfenster, die auf beiden Seiten der Kirchenmauer angeordnet sind, decken. Auf der linken Seite dem Altar gegenüber steht folgendes: „Das Heilige Herz von Jesus”, „Die Heilige Anna mit der Heiligen Jungfrau”, „Der Heilige Dominic, der von der Heiligen Jungfrau das Rosarim bekommt” und „Der Heilige Eduard, König von England”. Auf der rechten Seite fallen andere vier Buntgläser auf: „Der Heilige Josef”, „Das unbefleckte Herz der Heiligen Jungfrau”, „ Der Heilige Augustin” und im letzten Buntglas wird der „Heilige Erzengel Michael, der Luzifer drängt”, abgebildet.

Beeindruckende Buntgläser an den Kirchenfenstern.

Beim Eingang in die Kirche gab es zu einem bestimmten Zeitpunkt zwei Buntgläser, mit den Heiligen Aposteln Peter und Paul, aber allmählich im Laufe der Jahre wurden die Farben blass. Hinter diesen zwei Buntgläsern befindet sich heute eine Mauer und deswegen kann man die zwei Heiligen nicht beobachten.

Ich muss Ihnen gestehen, dass zwei Frauen ruhig in einer Ecke beteten, als ich das beeindruckende Gebäude bewunderte. Diese zwei Frauen sind das Vorbild der Menschen,  die zur Kirche kommen, um Gott nah zu fühlen. Sie schauten sich das Altar an, wo man die Statuen und das Gemälde mit verschiedenen biblischen Personen sehen kann. Diese Kultstätte verbindet vollkommen die ausserordentlichen alten Buntgläser mit dem Inneren, einem spezifischen Bild für den Art Deco Stil.

Auf zwei Buntgläsern wurde der Name des Spenders aufgeschrieben.

Als wir die faszinierende Schönheit von diesem Ort bewunderten, sprach uns eine der Angestellten der Kirchgemeinde an, die uns die notwendigen Hinweise mitteilte, um den Pfarrer zu erreichen. Wir gingen weg, um denjenigen zu suchen, der uns über die Geschichte der Gemeinde Sancta Maria Gratiarum sprechen konnte. Er war in einem der Gebäude. Er arbeitete fleissig neben den anderen Arbeitern.

Ein bescheidener Mensch, so wie man heute nur selten finden kann, war der Pfarrer Cristinel Țâmpu ziemlich überrascht, als wir ihm sagten, dass wir die Leser auf diese Kirchgemeinde aufmerksam machen wollen.

Er begleitete uns froh durch die Kirche und zündete alle Lichtquellen an, damit wir die ganze ausserordentliche Kirche bewundern können. Er schenkte uns grosszügig die Monographie der Kirche Bărăția, eine Arbeit, die vom ehemaligen Pfarrer der Kultstätte, dem Priester Dănuț Doboș koordiniert wurde.

Die Kirchgemeinde Bărăția ist immer aus der eigenen Asche wiedergeboren

So wie man auch vorher sagte, wurde die Kirchgemeinde im Jahre 1629 gegründet, aber die Kirche, die man heute sieht, wurde mehrmals zerstört. Die Kirche ist immer aus der eigenen Asche wiedergeboren.

Die wenigen historischen Quellen zeigen, dass auf dem Platz, wo die Kirchgemeinde Bărăția heute besteht, die erste Kirchgemeinde Sancta Maria Gratiarum, zwischen den Jahren 1631-1633 gebaut wurde. Die Holzkirche hatte „die Länge von zehn Schritten und die Breite von fünf, das heisst ungefähr 30 Quadratmeter”. Die Arbeit wurde so schlecht ausgeführt, dass nach weniger als 40 Jahren nur die Ruinen der ersten „ Kirchgemeinde” blieben.

Die Kirche Bărăția erlebte alle Tragödien, wovon Bukarest betroffen wurde.

Und trotzdem wird die Kirche nach dem Jahr 1716 wiedergeboren, als die Urkunden, die bis heute behalten wurden, über die Errichtung einer neuen Kultstätte anstelle der Holzkirche sprechen. Es scheint, dass die Arbeiten im Jahre 1672 begonnen wurden, aber die historischen Umstände waren ungünstig und man konnte die Arbeiten nicht beenden. Die Errichtung der zweiten Kirchgemeinde wurde im Jahre 1741 beendet.

Der Ort wurde vom Brand am Nachmittag des 28. August (9. September) 1804 zerstört. Der Brand ging vom Armenviertel Șelari aus und verbrannte die Kirchgemeinde Bărăția auch.

Das Gemälde auf den Mauern stellt verschiedene Bibelszenen dar.

Die Katholiken der Walachei sollten sich wieder anstrengen, um die notwendigen Mittel zur Errichtung dieser Kirchgemeinde zu haben. Im Jahre 1813 wurde die Errichtung der dritten Kirchgemeinde beendet.

Aber die Geschichte wiederholte sich schneller als erwartet und die dritte Kirchgemeinde bestand nur 34 Jahre lang. Am 23. März 1847, als der Palmsonntag für die Orthodoxe Kirche und Ostern für die Katholische Kirche war, ging von Dealul Spirii ein starker Brand aus, der die ganze westliche Hälfte von Bukarest verbrannte. „Bei Bărăția brannte alles, die Kirche, das Kloster und der Turm; vor dem Feuer konnte man nichts retten”.

Man hatte aber Glück und wegen dem damaligen Einfluss des kaiserlichen Hofes von Österreich konnte man ihre Spende ausnutzen, um die Kirchgemeinde Bărăția wieder zu errichten. Die Arbeiten wurden im Jahre 1850 beendet und die Kirchgemeinde wird unter dieser Form einschliesslich während der Zwischenkriegszeit bestehen. „Nach der Wiedererrichtung im Jahre 1847 wurde der Kirchgemeinde Bărăția einen lokalen, rumänischen Charakter geprägt, wobei die herkömmlichen katholischen Muster entfernt wurden. Der Glockenturm wurde am Eingang gebaut, er war getrennt von der Kirche und auf der westichen Fassade der Kirche wurde ein barocker Turm gebaut. Auf dem Boden des Halbkreises wurde ein ähnlicher Turm gebaut, um eine Annäherung des Stils der orthodoxen Kirchen zu simulieren, die den Turm auf dem Pronaos und auf der Kuppel, in der Mitte…haben”, erwähnt Dănuț Doboș, in der Arbeit „Die Kirche „Bărăția”- Bukarest. Vier Jahrhunderte Spiritualität”.

Das Feuer wurde durch die Raupen ersetzt

Das Getümmel fängt im Jahre 1933 wieder an, als das Bürgeramt von Bukarest den grossen Boulevard I.C. Brătianu systematisierte. Anstelle der Flammen, die diese Kultstätte mehrmals zerstörten, erschienen die Raupen, die den Grossteil der Gebäude vernichteten. „Bei dieser Gelegenheit wurden das alte franziskanische Kloster mit den entsprechenden Gebäuden, sowie die alten Klausen im Norden des Turms „Bărăția” abgerissen. Die Kirchgemeinde hatte die heutige Form”, behauptet Dănuț Doboș.

Die Systematisierung des Boulevard I.C. Brătianu im Jahre 1933 brachte Bărăția zur heutigen Form.

Die Kommunisten waren auch nicht begeistert, weil in der Mitte der „Hauptstadt des rumänischen Sozialismus” ein so wichtiges religiöses Gebäude bestand. Sie versuchten, die Desaster nach dem Erdbeben vom Jahr 1977 auszunutzen und das Gebäude unbedingt abzureissen. Aber wegen der mutigen Pfarrer verzichteten sie auf diesen Gedanken. Die Kirchgemeinde Bărăția wurde von Herrn Francisc Augustin gerettet, der die Bărăția als „ein Bestandteil der Landschaft der Hauptstadt, den man nur schwer ersetzen kann und einer der wenigen Anhaltspunkte der Achse Norden-Süden” vorstellte. Er bestand darauf, dass die Kirchgemeinde eine „wichtige Sehenswürdigkeit” von Bukarest ist.

Dieser Schritt war erfolgreich unter den Kommunisten, die sich an den Ausbauarbeiten nach dem Erdbeben vom Jahre 1977 beteiligten. Die Arbeiten wurden von Ion Dincă bewilligt, dem damaligen Bürgermeister der Hauptstadt, der die Bărăția besuchte und die Ausbauarbeiten verordnete.

Und heute bewacht Bărăția den Boulevard I.C. Brătianu, wobei sie hinter den weissen Mauern die bewegte Geschichte von Bukarest versteckt.

Autor: Ștefania Enache
Foto: Corina Gheorghe

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