Francisco Ramonda ist in Rosario, Argentinien geboren. Als Stipendiat bei einer der Universitäten aus der Hauptstadt Rumäniens, entdeckt der 29- jährige Mann Bukarest täglich. Das Leben aus den Wohnvierteln gefällt ihm, er hatte Zeit, die Messen und die Plätze von Bukarest auszuloten und sich an das Alltagsleben anzupassen.
Francisco ist ein junger Mann mit vielen Leidenschaften, die Musik ist die wichtigste. Eigentlich öffnete ihm die Musik den Weg nach Bukarest. Als er 16 Jahre alt war, lernte er den rumänischen Geiger Liviu Prunaru kennen. „Der erste Kontakt mit ihm änderte mein Leben und bot mir eine neue Betrachtungsweise für die Geige an. Dann arbeitete ich jährlich mit ihm zusammen, als er ins Land kam (nach Argentinien) und nach ein paar Jahren schlug er mir vor, mit seiner ehemaligen Lehrerin von Bukarest, Frau Mihaela Mailat zu arbeiten. So begann meine Reise nach Rumänien”, behauptet der argentinische Student.
Seine Künstlerseele spornt ihn an, viele Gegenden zu entdecken. Ausser der Liebe zur Musik, wird er auch von der Literatur, Philosofie, Theater begeistert, er liebt das Gedicht und gleichzeitig treibt er Sport: Fussbal, Wasserball, Tennis und Schwimmen. Er involviert sich auch in den Sozialtätigkeiten. Er erzählt mir, dass er der Gründer des Clubs Interact aus seiner Heimatstadt ist, der vom internationalen Verein Rotary unterstützt wird. Obwohl er nur 29 Jahre alt ist, hat er eine umfassende Erfahrung als Mensch und Künstler.
Er lernte Rumänisch auf den Strassen

Wenn man zum ersten Mal mit Francisco redet und er sagt, dass er von Argentinien kommt, wird man erstaunt, wie fliessend er Rumänisch spricht. Er hat keine Probleme, seine Geschichte in einer Fremdsprache zu erzählen. Als er zum ersten Mal nach Bukarest kam, hatte er nur theoretische Informationen über Rumänien und kannte nicht Vieles über das Leben in diesem Land. Ausserdem konnte er Rumänisch nicht.
„Der Anfang in dieser Stadt war nicht einfach. Auch wenn ich mehr über Rumänien gekannt hätte, hätte ich mir das Leben in diesem Land nicht vorstellen können. Ich redete mit meiner Lehrerin auf Deutsch und lernte Rumänisch allein, durch Lesen und ich war auf den Strassen aufmerksam, ich schrieb die Wörter und Sätze und benutzte sie, wenn es notwendig war. So lernte ich die Sprache. Später legte ich eine Prüfung bei der Philologiefakultät ab, um das notwendige Diplom für die Hochschule zu erhalten. Nach der intensiven Arbeit mit Frau Mailat wurde ich in die Nationale Musikuniversität von Bukarest aufgenommen. Ich legte die Prüfung ab und bestand sie dreimal aufeinanderfolgend. Nur letztes Mal konnte ich bleiben, weil ich auch das Studienstipendium erhielt. Am Anfang, obwohl ich die Prüfung bestand, erhielt ich das Stipendium nicht und ich sollte das Land verlassen, weil ich mich nicht unterhalten konnte. Dann zog ich nach Berlin bei einigen Freunden (die jetzt meine Familie sind) um, was eine andere sehr wichtige Erfahrung für mich war. Eineinhalb Jahre später kam ich nach Bukarest zurück, ich legte die Prüfung ab und begann die Geige beim Konservatorium zu studieren”, erzählt Francisco.
Er erinnert sich jetzt an den ersten Eindruck, den er in Bukarest hatte. Er lacht und erzählt mir, dass er ziemlich verwirrt war, als er in unser Land ankam. Es war in einer kalten und regnerischen Oktobernacht. Eine unbekannte Person wartete auf ihn beim Flughafen und begleitete ihn in eine Einzimmerwohnung auf der Năsăud Strasse. Dann kam eine Frau mit vielen Einkaufstaschen. „Es war meine Mutter aus Rumänien, Mihaela Mailat. In den Einkaufstaschen hatte sie Sakuska, Grillhähnchen, Brot, Handtücher, usw. Obwohl sie mich damals zum ersten Mal sah, umarmte sie mich, wartete, solange ich gegessen habe, dann sagte sie mir, dass sie mich am nächsten Tag besuchen wird. Und dann ging die Geschichte weiter…”, behauptet der Junge von Argentinien.
Rumänisch ist nicht die einzige Fremdsprache, die er kann. Jedes Mal, als er ein Land besuchte, bemühte er sich, die Sprache zu lernen, um mit den Menschen besser zu kommunizieren.
„Obwohl mein Leben mehr urban war, hatte ich die Gelegenheit, lange Zeit auf dem Land zu sein, weil meine Eltern aus einem Dorf von Argentinien kommen. Durch dieses Leben zwischen der Stadt und dem Dorf, verbunden mit den Reisen ins Ausland, konnte ich von klein auf Vieles lernen. Ich habe keine kulturellen, religiösen Vorurteile. Bevor ich nach Rumänien kam, studierte ich die Geige, die Laute, das Klavier, die Musiktheorie, die Harmonie, das Dirigieren und das Komponieren, zuerst in Rosario, dann in Buenos Aires und La Plata. Als ich beim Lyzeum studierte, reiste ich nach Buenos Aires und nach dem Abitur blieb ich dort, obwohl ich Projekte und Musikstudien auch in Rosario hatte”, sagt der junge Mann.
Die Musik wählte mich
Sein Leben war nicht einfach. Auch wenn es auf den ersten Blick alles ruhig scheint, kann man eine bestimmte innere Bewegung spüren. Deswegen hätte er auf seine Liebe: die Musik verzichten können. Letztendlich beobachtete er, dass dieser sein Weg ist und konzentrierte sich auf seine Entwicklung als Künstler. „Die Musik wählte mich oder mindestens zeigte mir, dass ich das weiter machen soll. Ich weiss nicht, wann die Liebe zur Geige erschien, aber ich kann sagen, dass sie sich immer ändert und entwickelt, sie wird reicher und verbindet sich mit anderen Leidenschaften, die ich habe. Die Musik war meine Liebe und die Geige ist das Instrument, die passende Umgebung, um die Musik zu kennen”, behauptet Francisco.
Der Geiger von Argentinien begann die Musikstudien, als er vier Jahre alt war und zum Institut Pro Musica aus seiner Heimatstadt geschickt wurde. „Dieses Institut hat auch eine Musikschule für die Kinder, wo ich zu lesen, aber auch zu verstehen und die Musik zu lieben lernte. Dort lernte ich die Theorie, ich begann Geige zu spielen und studierte die Laute. Nach dem Lyzeum hatte ich eine persönliche Krise, wovon ich betroffen wurde, aber dadurch lernte ich Vieles über mich, über die Welt und meine Wünsche. Dann wählte ich die Geige und die Musik wieder. Es gibt viele und verschiedene Herausforderungen, diese Karriere erfordert Anpassungsfähigkeit, aber auch Anstrengung und Beharrlichkeit”, erklärt der junge Mann.
Eine freundliche Stadt mit den Ausländern

Bukarest ist heute seine Realität, die Stadt, die ihn aufnahm und integrierte. Francisco sagt über die Hauptstadt Rumäniens, dass ihre Beziehung zu den Ausländern sich täglich positiv ändert und entwickelt. „Ich betrachtete Bukarest immer als eine homogene Gesellschaft, nicht sehr gewöhnt an den Kontakt mit den unterschiedlichen Menschen. Ich komme aus einem Land bestehend aus Menschen aus der ganzen Welt, weil Argentinien seit dem XIX. Jahrhundert ein Bestimmungsort für die Auswanderer aus Europa, Asien, Afrika war. Deswegen sehe ich keine Unterschiede zwischen den Menschen. Ich mag die Multikulturalität von Bukarest und finde sie notwendig”, sagt der Musiker.
Er sagt, dass die Stadt mit den Ausländern sehr freundlich ist. Mit den Künstlern ist die Stadt auch freundlich, weil es viele nicht entdeckte Gegenden für die kreativen Menschen gibt. „Alles, was in Bukarest passiert, ist sehr interessant und dynamisch. Das Publikum der Hauptstadt ist neugierig und offen, die Menschen gehen zu Veranstaltungen ohne Vorurteile, was wunderbar ist. Die Künstlergemeinschaften, vor allem die neue Generation, sind freier, was die Zusammenarbeit der Künstler aus verschiedenen Bereichen, wie die Musik, die Kunst, das Theater, die Literatur ermöglicht. Auch in der Musik verbinden sich die Gattungen miteinander”, behauptet der Geiger.
Der Musiker erklärt, dass man aus der Kunst leben kann. Das ist aber schwer. „Das bedeutet, nicht nur im Kunstbereich zu arbeiten, sondern man soll noch einen Job oder mehrere Projekte haben. Die selbständige Arbeit in der Musik beginnt sich zu entwickeln, aber viele erwarten noch, in einem Orchester angestellt zu werden und das ist eingeschränkt. Es gibt noch nicht eine umfassende Struktur, aber das wird sich im Laufe der Zeit verbessern. Man spürt auch eine gewisse Unsicherheit, wenn man selbständig arbeitet und das ist verständlich”, sagt der Künstler.
Er mag das reelle Leben aus den Wohnvierteln
Während er die Stadt entdeckt, liebt er sie mehr. Wegen der Architektur, aber auch der Stimmung zieht er den Ikonengarten und das Armenische Wohnviertel vor. Der Cișmigiu Park, wo er lebt, gefällt ihm auch. Er ist davon begeistert, dass es viele Kunst- und Musikräume gibt.

Ein anderer Ort, wovon er spricht, ist das Rahova Wohnviertel. Hier wohnte er, als er zum ersten Mal in die Stadt kam und er kehrt immer gerne zurück. „Es ist ein anderes Leben dort. Eigentlich ist die Stadt überall lebendig, bei den Messen, auf den Plätzen und in den Wohnvierteln. Es gefällt mir, dass viele Menschen ein einfaches und reelles Leben haben, obwohl sie die Technologie benutzen. Ich bin froh, dass die Leute offen sind. Ich wäre glücklich, ob Bukarest mehr auf seine Architektur, die wunderbar und einzigartig ist, setzen würde ”, sagt der Geiger.
Er ist der Meinung, dass die Künstlerumgebung sich entwickelt und vielfältig ist. Er meint, dass die Kommunikation unter den Künstlern besser sein sollte, so dass sie zusammenarbeiten und sich der Fortschritte jedes Mitgliedes erfreuen.
„Offensichtlich wird Bukarest zu einem Bestimmungsort, wofür die Ausländer sich interessieren. Seit langem bin ich kein Tourist mehr, aber sowohl meine Freunde, die mich besuchten, als auch meine Familie finden die Stadt sehr schön und anziehend, vor allem im Frühling, im Sommer und im Herbst oder anlässlich einer Veranstaltung, zum Beispiel wenn das Festival „George Enescu” stattfindet.
Er hat viele Musikprojekte
Der argentinische Student ist in sehr vielen Projekten involviert. Zum Beispiel, er ist der Gründer des Streichquartettes Outis. Gleichzeitig arbeitet er mit anderen Kollegen aus Bukarest und aus dem Ausland zusammen, um ein Altmusikband mit Barockinstrumenten zu gründen. „Das Streichquartett ist selbständig und wir hatten eine intensive Tätigkeit im Jahre 2019, als wir zum Masterclass mit den weltweit berühmten Musikern gingen, wir sangen in verschiedenen Städten aus Rumänien und arbeiteten mit den Vereinen Mihai Eminescu Trust, Experience Transylvania und District 40 zusammen. Wir wollen die Musik den Menschen nah bringen, ohne Kommunikationshindernisse und wir singen in unkonventionellen Räumen. Dieses Jahr möchten wir uns um die Stipendien werben und mehrere Konzerte haben. Im April sollten wir ein Programm im Norden von Dänemark veranstalten, wo wir mit Marius Ungureanu, dem rumänischen Geiger und Komponisten arbeiten werden. Ich bin offen, mit mehreren Künstlern zusammenzuarbeiten. Ich glaube, dass Rumänien und Bukarest im Kunstbereich Vieles anbieten können und bin froh, hier zu sein”, betont Francisco.

Die Erfahrungen von Francisco Ramonda sind eine echte Lektion für uns, die Rumänen, aber auch die Ausländer, die daran denken, nach Bukarest zu kommen. Die Vorstellung der Stadt seitens eines Ausländers, der hier lebt, ist reell und objektiv. Wenn man diese Gesichtspunkte analysiert, hat man die Chance, etwas zu verbessern, was noch nicht richtig funktioniert. Man hat auch die Chance die Stadt zu entdecken und sich ihrer Schönheit bewusst zu werden.



