Auf den Ottomanenspuren

Bukarest ist eine Mischung von Architekturstilen, wo jede Strasse ihre eigenen Besonderheiten hat. Nach der ottomanischen Besatzung behält Bukarest auch heute die Spuren einer Zeit, als die Welt von diesem Reich beherrscht war.

Heute werden wir auf den Ottomanenspuren sein, so dass wir uns vorbereiten sollen, in ein Labyrinth der Strassen, Gebäude und…Geschichten einzugehen. Für dieses Labyrinth braucht man den Ariadnefaden nicht, weil, egal wovon man ausgeht: Universität, Victoria Platz, Unabhängigkeitsflussdamm, Boulevard I.C Brătianu, kommt man zurecht.

Die Stadtstruktur ist den ottomanischen Einflüssen „tributpflichtig”. Die ottomanische Welt beeinflusste die Ortschaften in der Dobrudscha, Moldau und Walachei. Unter Berücksichtigung dieser Tatsache, ist es offensichtlich, dass es zwischen Rumänien und dem Ottomanischen Reich starke wirtschaftliche Verhältnisse gab.

Die wirtschafttlichen Verhältnisse mit den Ottomanen beeinflussen das Strassennetz von Bukarest

Diese Gebiet waren eine Übergangsgegend für die Ottomanen, aber auch für diejenigen, die vom Westen nach Osten zum Handelszweck fuhren. Auf dem Weg nach Europa war Rumänien der Übergangsort für die Waren.

Und hier bildete sich ein Spinngewebe von Strassen, je nach dem Handelsinteresse der Handwerker. So kann man die Strassennamen von Bukarest wie Lipscani, Șelari, Blănari, Băcani, Zarafi, Căldărari, Strada Halelor, die heute so bekannt sind, erklären.

Wenn man zu Fuss auf diesen Strassen, aber auch auf anderen Strassen in Bukarest geht, ist es möglich, die Spuren der ottomanischen Architektur zu finden. Ein Beispiel in diesem Sinne sind die Häuser mit besonderen Fenstern. Ein solches Haus gibt es auf der Șelari Satrasse, aber auch in der Gegend vom Römischen Platz. Es ist wahr, dass der Tourist, der die architektonischen Stile nicht kennt, diese Besonderheiten nicht identifizieren kann, aber man soll wissen, dass diese Gebäude eine ottomanische Erbe sind.

Die Besucher der alten Gegenden der westlichen Städte meinen, dass die Strassenstruktur in der alten Innenstadt der Hauptstadt Rumäniens westliche Einflüsse hat.

Im Unterschied zum Westen, wo es eine bestimmte germanische Harmonie gibt und die Strassen von Gebäuden mit gottischen und neoklassischen Einflüssen geprägt werden, findet der Tourist in Bukarest ein Labyrinth östlicher Herkunft, mit versteckten Passagen unter den gewundenen Strassen.

Der erste Aufenthalt: der Manuc Gasthof

„Auf den Ottomanenspuren” gehen wir langsam auf Lipscani. Wir fangen unsere Reise auf der Șelari Strasse an (wo ich Ihnen schon sagte, dass es ein Haus mit besonderen Fenstern gibt), welche sich mit den Strassen Gabroveni, Covaci und mit der Französischen Strasse kreuzt und das Ufer von Dambovita Fluss, das auch als Unabhängigkeitsflussdamm genannt wird, erreicht.

Wir gehen zur Covaci Strasse, unmittelbar durch den Platz des Heiligen Anton, neben der Kirche des Heiligen Anton und dem Manuc Gasthof. Unser Ziel ist dieser Gasthof mit historischer Bedeutung.

Der Gasthof wurde nach dem Muster der Karewane- Serails gebaut.

Der Aufenthalt bei diesem Gasthof hat eine eindeutige Begründung und zwar, dass diese Art vom Gebäude den ottomanischen Einfluss in der Bukarester Architektur am besten hervorhebt. Auch wenn es heute modern ist, sich als überzeugter Westlicher vorzustellen und die Gespräche über die östlichen Einflüsse stören können, zeigt uns die Geschichte, dass die Schönheit dieser Stadt mit der ottomanischen Zeit verbunden ist. Bukarest war lange Zeit eine Niederlassung mit einer Mischung von Völkern. Neben den Walachen lebten hier auch Türken, Armenier, Griechen, Bulgaren, Albaner und Juden. Ihr Leben spurt man jeden Schritt und heute sind die Spuren ihres Lebens auch sichtbar.

Der Gasthof gehört zu den offensichtlichen Beweisen des ottomanischen Einflusses. Vielleicht fragen Sie sich, wie es gerade in der Innenstadt gegründet wurde. Die Erklärung findet man in der Bukarester Geschichte. Man soll nicht vergessen, dass es eine Übergangsgegend war, welche der Handelsverbindung zwischen Westen und Osten diente und es wäre unmöglich gewesen, dass die Handwerker keine Spuren hinterlassen.

In diesem Zusammenhang wurden die Gasthöfe nach einem bereits vorhandenen Muster gebaut. Es handelt sich um die östlichen Karawane- Serails, welche die Grundlage der neuen Gebäude waren.

Auf ihren langen Reisen brauchten die Handwerker eine Raststätte, nicht nur für die Waren, sondern auch für ihre Familien, Diener und Tiere.

Der Gasthof hatte eine rechteckige Form und sie wurden mit der Öffnung nur zum inneren Teil entworfen. Die schweren Tore, welche diese einzige Öffnung schlossen, waren von dicken Mauern umgeben. Im Hof gab es Lager für die Waren. Die Erholungszimmer wurden auch eingerichtet.

Kommen wir zum Manuc Gasthof zurück. Es ist interessant, die Geschichte hinter diesem spektakulären Gebäude zu entdecken. Der Gasthof wurde von Manuc Bei, einem reichen Kaufmann gebaut, der durch die Handelsegschäfte und als Wucher reich wurde. Manuc Bei war, was man heute „Bankier” nennt, weil er Geld verlieh und neben dem jeweiligen Betrag auch die enstprechenden Zinsen zurückbekam.

Manuc Marzaian (1769-1817) war Armenier und reiste in Europa durch.

Er kam in Bukarest im Jahre 1806 an und entschied sich, diesen Gasthof zu bauen. Die Arbeiten dauerten bis 1808, wegen der damaligen politischen Situation.

Es gibt ziemlich viele Legenden über den Gasthof. Über Manuc Bei wird es gesagt, dass er eigentlich ein Spion war und eine wichtige Rolle im russischen-türkischen Krieg hatte. Ausserdem zeigen die historischen Quellen, dass das Bukarester Abkommen (1812), wodurch der russische-türkische Krieg beendet wurde, beim Manuc Gasthof unterzeichnet wurde.

Eine Beschreibung des Gasthofes vom XIX. Jahrhundert zeigt, dass das Gebäude 15 Keller im Untergeschoss hatte. Im Erdgeschoss gab es 23 Läden, zwei grosse Salons, zehn Geschäfte, Dienerzimmer, Küchen und einen Tunnel für ungefähr 500 Personen. Das Gebäude hat auch einen Stockwerk mit 107 Erholungszimmern.

Es gibt viele Legenden um dieses Symbolgebäude von Bukarest und eine verweist auf den grossen Schatz von hier. Man sagt, dass Manuc seinen Schatz im Labyrinth versteckte. Die Schönheit von diesem Gebäude und seine Bedeutung betreffend die ottomanischen Einflüsse in der Bukarester Architektur sind die wichtigsten.

Zum Lindengasthof

Der Lindengasthof verbindet die Lipscani und Blănari Strassen.

Wir werden die Legenden über Manuc Bei hinterlassen, nach Lipscani zurückgehen und eine Weile vor dem Palais der Nationalen Bank anhalten. Damals war hier der Șerban Vodă Gasthof, der zwischen den Jahren 1683- 1685 gebaut wurde. Das Gebäude wurde im Jahre 1883 abgerissen, obwohl es nach dem Brand von 1804 ausgebaut wurde.

Auf unserer Reise zu einem anderen wunderbaren Ort: dem Lindengasthof, werden wir noch einmal anhalten, um den Elias Gasthof (die Heimat) zu bewundern, der sich hinter der Kirche des Heiligen Johann befindet. Das Gebäude wurde saniert und hebt die ottomanischen Einflüsse der ersten Hälfte des XIX. Jahrhunderts hervor. Die historischen Quellen beweisen, dass das Gebäude einzigartig ist, obwohl die Jahre vergangen sind.

Wir gehen weiter auf Boulevard I.C. Brătianu zum Lindengasthof, der irgendwo zwischen Lipscani und Blănari stolz errichtet wurde.

Das Gebäude wurde im Jahre 1833 von Anastasie Hagi, Gheorghe Polizu und Ştefan Popovici errichtet und heute stellt es sich ausgezeichnet vor.

So wie der Manuc Gasthof auch als „der Gasthof des Alten Hofes” genannt wurde, hatte auch der Lindengasthof den Namen „Der Gasthof auf der grossen Handwerkerstrasse“.

Ursprünglich hatte das Gebäude eine Handelsbestimmung. Die Kaufleute, die den Gasthof bauten, hatten Läden dort und sie dachten an eine Verbindung zwischen ihren Geschäften und anderen, die sie übernahmen. Der Gasthof hatte eine rechteckige Form und es wurde mit 14 Läden (14 auf der östlichen Seite und 14 auf der westlichen Seite) vorgesehen. Es gab auch zwei Eingänge, welche die Strassen Lipscani und Blănari verbinden.

In der Zwischenzeit änderte sich die ursprüngliche Bestimmung und das Gebäude wurde zum Sitz der Bankiere. Heute ist der Lindengasthof einen Ort, den alle Touristen, die nach Bukarest kommen, bewundern sollten, so wie sie auch wunderschöne Gegenden der Hauptstadt Rumäniens bewundern sollten.

Autor: Ștefania Enache
Foto: Corina Gheorghe

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